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05. November 2019
Es war wirklich überfällig, dass der Widerstandskämpfer Georg Elser offiziell geehrt wurde. "Wir sind Georg Elser die verdiente Anerkennung lange schuldig geblieben", sagte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bei der Einweihung eines Denkmals für Georg Elser in Hermaringen. Aber in einem denkt Steinmeier m.E. zu optimistisch: "Elser hätte mit seiner Tat, wäre sie geglückt, mit hoher Wahrscheinlichkeit erreicht, was er beabsichtigte: Er wollte diesen Krieg und das Unrecht des nationalsozialistischen Regimes beenden. Er wollte Adolf Hitler töten. Sein Anschlag galt aber auch der gesamten Spitze des Nazi-Regimes: Auch Himmler, Heß, Goebbels und viele andere waren damals im Bürgerbräukeller. Der von den Nationalsozialisten gekaperte Staat wäre im Wortsinn führerlos gewesen."
Ob das Nazi-Regime tatsächlich zusammengebrochen wäre, ist jedoch mehr als fraglich. Vielleicht hätte manches einen anderen, etwas milderen Verlauf genommen, doch am 8. November 1939 (der Tag des versuchten Attentats) war der Polenfeldzug bereits erfolgreich abgeschlossen. Der Antisemitismus war in Deutschland seit langem weit verbreitet, demokratische Strukturen wurden bereits 1933 fast vollständig zerschlagen, das Gros der Bevölkerung hatte autoritäre Denkschemata verinnerlicht. Und es ist ja keineswegs so, dass die Politik Hitlers bei der deutschen Bevölkerung auf totale Ablehnung stieß. Ein erfolgreiches Attentat hätte daher zwar das Nazi-Regime bis in die Grundfesten erschüttert, aber ob es auch kollabiert wäre, wage ich zu bezweifeln. Zumal die Deutschen damals noch keine negativen Auswirkungen des Krieges zu spüren bekamen. Elsers Tat war notwendig, mutig und ehrenvoll, doch wie viel Leid sie von den Opfern der Nazi-Diktatur abgewendet hätte, wird man nie wissen. Möglicherweise wäre ein Regime à la Franco die Folge gewesen. Allemal besser als die Hitler-Barbarei, aber mit Sicherheit alles andere als wünschenswert.
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