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01. August 2019
Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) will mit dem "Deutschlandtakt" (zwischen den Großstädten soll alle 30 Minuten ein Zug fahren) die Fahrgastzahlen der Deutschen Bahn verdoppeln. Eine durchaus löbliche Absicht. Doch nach Recherchen des SWR wird der im Bau befindliche sündhaft teure Stuttgarter Tiefbahnhof dafür mangels Kapazität gar nicht geeignet sein, denn er sei mit lediglich acht Gleisen zu klein und die Zahl der Zulaufstrecken zu gering. "Die Experten der Deutschen Bahn haben das alles genau geprüft. Und das wird funktionieren", erwiderte Staatssekretär Steffen Bilger (CDU) Mitte Juni 2019. Nun hat die Bundesregierung genau das auf Anfrage der Grünen verneint. Für bestimmte Verbindungen mit Großstädten wird es von Stuttgart aus keinen 30-Minuten-Takt geben. Grund: Es würden dafür mehr Gleise benötigt, als im neuen Tiefbahnhof vorgesehen sind.
Das erinnert stark an die Täuschung über die wahren Kosten des Mammutprojekts. 2008 wurde eine Studie als "haltlos" zurückgewiesen, die den Umbau des Stuttgarter Hauptbahnhofs auf satte 6,9 Mrd. Euro veranschlagte (anstatt den ursprünglich genannten 2,8 Mrd.). Die Studie weise "teils gravierende handwerkliche Fehler auf", behauptete der damalige Innenminister Heribert Rech (CDU). Stuttgart 21 sei selbstverständlich "solide kalkuliert", versicherte Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU). Inzwischen (Stand Juni 2019) rechnet die Bahn mit einem Kostenrahmen von insgesamt 8,2 Mrd. Euro. Ob damit das Ende der Fahnenstange erreicht ist, bleibt abzuwarten.
Entweder ist es Dilettantismus oder bewusste Irreführung des Wählers. Beides ist für die Regierenden wenig schmeichelhaft.
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